1-2 Der HERR befahl Mose, den Leuten von Israel zu sagen:
Wenn eine Frau einen Sohn zur Welt bringt, ist sie 7 Tage unrein, genau wie während ihrer monatlichen Blutung.
3 Am 8. Tag soll der Sohn beschnitten werden.
4 Danach muss die Frau noch 33 Tage warten, bis sie wieder ganz rein ist. In dieser Zeit darf sie nicht zum Heiligtum kommen und auch nichts berühren, was als Opfer oder Abgabe für das Heiligtum bestimmt ist.
5 Hat sie eine Tochter zur Welt gebracht, wird sie 14 Tage unrein und muss dann noch 66 Tage warten, bis sie wieder ganz rein ist.
6 Sind die 33 oder 66 Tage um, so soll die Frau ein einjähriges Schaf als Brandopfer und eine Taube oder Turteltaube als Sühneopfer zum Priester an den Eingang des Heiligen Zeltes bringen.
7-8 Ist sie zu arm, um ein Schaf zu opfern, so soll sie zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben nehmen, eine als Brandopfer und eine als Sühneopfer. Der Priester bringt ihre Opfergaben dem HERRN dar und nimmt damit ihre Unreinheit weg; dann ist sie wieder rein.
Dies sind die Reinheitsvorschriften für Wöchnerinnen.
Gute Nachricht Bibel (Revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft)











Die Beschneidung der Jungen am 8. Tage war eine Anweisung für die Wanderungen Abrahams und Moses. Kurz vor der Sesshaftigkeit des Volkes Israel erklärte Mose den tieferen, geistlichen Sinn dieser Handlung: 5. Mose 10,16 „So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig.“ Das waren Sinn und eigentlicher Zielpunkt der Beschneidung. Ein äußeres Zeichen konnte eben auch förmlich, zweckentfremdet und von anderen als Identitätsmerkmal verwendet werden. So geschah es dann auch z.B. im Islam. Deshalb legte Gott die Herzensbeschneidung als Zeichen der Achtung und Wertschätzung der Mitmenschen darüber und ersetzte sie dann damit in der christlichen Gemeinde vollständig. Vor allem im Blick auf das ewige Heil konnte das äußere Ritual als sakramentale, heilwirkende und damit werkgerechte Handlung missbraucht werden. Da das zur Zeit der Apostel immer mehr um sich griff, musste Gott das ändern.
Das Bundeszeichen sollte besser mit dem Glauben und der zwischenmenschlichen Konfliktlösung, also der Herzensbeschneidung verbunden werden. Die ethischen Probleme bei einer äußeren blutigen Kennzeichnung konnten und mussten so gelöst werden. Deshalb führte Jesus und die Apostel eine Reform ein. Paulus erkannte, dass durch körperliche Beschneidung nur die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinde gekennzeichnet wird: „Die Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz (Tora) hältst; hältst du aber das Gesetz (Tora) nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.“ (Röm 2,25).
Da die 613 Gesetze der Tora schon nach der Wüstenwanderung (nach der Tempelzerstörung sowieso) nicht mehr alle gehalten werden konnten, so sollte auch die Beschneidung vergeistigt und als äußerliches religiöses Identitätskennzeichen aufgehoben werden. Für Juden und Moslems wäre das heute eine längst überfällige Reform, da die hygienischen Gründe der Beschneidung durch mögliche Waschungen längst überwunden wurden. Heute bleibt nur noch die seltene medizinische Indikation der Vorhautverengung als Grund für eine Teilbeschneidung überig.
Um sich schon bei der Geburt die Vergänglichkeit, durch den Ausschluss Adams und Evas aus dem Paradies, bewusst zu machen, wurden die Wöchnerinnen bei Jungen für 40 und bei Mädchen für 80 Tage als „Unrein“ bezeichnet. Sie sollten in dieser Zeit keinen Gottesdienst besuchen, von der Geburt ausruhen und sich damit bewusst machen, dass die Kinder die Gnade Gottes brauchen, um ihnen die Hoffnung auf das ewige Leben zu geben. Da Mädchen nicht beschnitten werden sollten, wurde dafür die Zeit als Unterscheidungsmerkmal zu den Jungen verdoppelt. Vergleichen kann man das mit der Enthaltsamkeit während der 40 Tage Fastenzeit von Jesus Christus.